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v.l.n.r.: Thomas Rey (kath. Pfarrer), Michael Sohn (ref. Pfarrer), Michael van Orsouw (Historiker), Bruno Werder (ehem. Gemeindepräsident Cham), David Hesse (Präsident Verein Stolpersteine Cham).
21. September 2026

Stolpersteinsetzung in Cham

In Cham gedenkt der erste Zentralschweizer Stolperstein dem Leben und Schicksal von Adolf Ferrari.

Golden glänzt es vom Boden her an der Knonauerstrasse 14 in Cham: Am 21. September wurde ein sogenannter Stolperstein ins Trottoir eingesetzt. Stolpersteine gedenken europaweit den tragischen Schicksalen der Opfer des nationalsozialistischen Regimes und bewahren so deren Geschichte. 

So auch der Stolperstein in Cham: Der Geschichte dahinter wurde an der Steinsetzung von Vertreterinnen und Vertretern des Chamer Geschichtslexikon «Chamapedia», vom Verein Stolpersteine Schweiz, aus der Politik und beiden Landeskirchen gedacht. Aufgearbeitet wurde sie vom Historiker und Schriftsteller Michael van Orsouw – es ist die Geschichte von Adolf Ferrari. 

Das Schicksal von Adolf Ferrari

Adolf Ferrari wurde 1914 in Cham geboren und wuchs an der Knonauerstrasse 14 auf. Er besuchte in Cham die Primar- und Sekundarschule, wechselte anschliessend aufgrund seiner guten Noten an die Handelsabteilung der Kantonsschule Zug. 

1933 folgte der grosse Wendepunkt in Ferraris Leben: Wegen Schulden wurde sein Vater inhaftiert, seine Mutter, Schwester und er selbst nach Italien ausgewiesen – die ganze Familie war im Besitz der italienischen Staatsbürgerschaft. Trotz mehrfachen Bemühungen, eine Rückkehr in die Schweiz erwirken, hielt die Regierung am Landesverweis fest. 

Ferrari selbst emigrierte daraufhin von Italien nach Süddeutschland. Anfang 1941 wurde er im deutschen Metzingen wegen seiner Homosexualität verhaftet und kam schliesslich im Herbst desselben Jahres ins KZ Dachau. Dort wurde er von Nationalsozialisten für medizinische Menschenversuche missbraucht, überlebte diese jedoch. Von Dachau aus wurde er ins Konzentrationslager Mittelbau-Dora überwiesen, das als unterirdische Rüstungsfabrik diente. Tausende der Insassen verstarben an Entkräftung, Unterernährung und Lungenerkrankungen – auch Adolf Ferrari überlebte nicht. Er verstarb am 18. Februar 1944 mit nicht einmal 30 Jahren. 

Die Kraft der Erinnerung 

Der goldene Stolperstein an der Knonauerstrasse 14 erinnert somit an den jungen Adolf Ferrari, der dort gross geworden ist und wie dieser junge Mann auf furchtbare Weise sterben musste. Vorbeigehende stolpern aber nicht nur über das Schicksal von Adolf Ferrari selbst, sondern werden an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert, an die fatalen Folgen von Ausgrenzung und Vorurteilen.

Der reformierte Pfarrer Michael Sohn verglich die Bedeutung der Erinnerung sehr treffend mit dem Bild des Ruderns. Für die Vorwärtsbewegung braucht es den Blick auf das Zurückliegende.

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