Das Wort für die digitale Gemeinde


Mit verschiedenen digitalen Angeboten überbrückt die Reformierte Kirche Kanton Zug die Zeit ohne physische Gottesdienste. Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so finden seit Ausbruch der Corona-Krise viele Landeskirchen vermehrt den Weg ins Internet, um ihre Angebote wenigstens virtuell präsentieren zu können. Auch die Reformierte Kirche Kanton Zug verstärkte ihre Online-Präsenz – unter anderem mit den Videos für den «Gottesdienst von Zuhause».

Schnell entschieden
«Die Idee dazu brachte Kirchenratspräsident Rolf Berweger in die Corona-Task-Force ein», sagt Kirchenrätin und Pfarrerin Irène Schwyn. In der Folge übernahm sie die Organisation des Projekts, verschickte Anfragen an die Pfarrpersonen in den Bezirken und verpflichtete einen Kameramann. «Pierre-André Zellweger hat schon Erfahrung mit der Kirchenthematik, denn er arbeitete bereits für den Bezirk Ägeri», sagt sie. Ausgerechnet bei der ersten Ausgabe der kleinen Serie konnte Zellweger jedoch nicht mitwirken – denn sie wurde von Helen Jäggi Kosic in ihrer Wahlheimat Bosnien bestritten. «Aufgrund der Reisebeschränkungen kann sie momentan leider nicht direkt im Bezirk Ägeri wirken», erklärt Irène Schwyn, «doch auf diese Weise ist sie wenigstens digital bei uns.»

Das Wort im Zentrum
Die zweite Video-Andacht wurde in Hünenberg von Pfarrerin Aline Kellenberger aufgenommen. «Ein eigentlicher Online-Gottesdienst ist das nach meinem Verständnis ja nicht», sagt sie, «denn ein Gottesdienst ist mehr, und er folgt zudem einer gewissen Liturgie.» Als abgespeckte Behelfslösung möchte sie die Video-Andachten dennoch nicht verstanden wissen. «Wir Reformierten haben traditionellerweise einen starken Bezug zum Wort», so die Pfarrerin. «Und dieses Wort kann man durchaus auch in digitaler Form angemessen weitergeben.» In dieser Hinsicht hätten es die Reformierten vielleicht einfacher als die Katholische Kirche, die sich viel stärker auf die Eucharistiefeier stützt. «Dass diese jetzt gänzlich wegfallen, kann für viele Katholiken schwierig sein.»

Die Vorbereitung machts
Das Fehlen der Gemeinde sei auch für sie als Pfarrerin ein ungewöhnliches Gefühl gewesen: «Man spricht einfach zu einer Kameralinse und hofft, dass die Worte bei den Menschen wirklich so ankommen, wie sie gemeint sind», sagt sie. «In einem normalen Gottesdienst bekommt man die Reaktion der Teilnehmenden ja unmittelbar mit und kann bei Bedarf darauf reagieren.» Ihre Zuhörerinnen und Zuhörer musste sich die Pfarrerin vorstellen. Dennoch bemerkt man beim Anschauen des Videos keinerlei Nervosität oder Unsicherheit. Nur drei Versuche – sogenannte Takes – seien nötig gewesen, um die Andacht «im Kasten » zu haben. Auch einen Teleprompter, von dem Aline Kellenberger den Text hätte ablesen können, gab es nicht. «Ich habe einfach versucht, eine möglichst einfache Sprache zu verwenden», sagt sie. Mit einigen rhetorischen Kniffen habe sie zudem für sich selbst einen Roten Faden ausgelegt, dem sie folgen konnte. «Und weil ich nicht ständig auf mein Blatt sehen wollte, habe ich die Andacht so gut wie möglich vorgängig memoriert.»

Ab auf die Weide!
Wie genau die Videos aussehen und was sie beinhalten sollen, bleibt den präsentierenden Pfarrpersonen überlassen. Vorgaben gab es in dieser Hinsicht keine. Aline Kellenberger stellte den berühmten Psalm 23 – «Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser» – ins Zentrum ihrer Videoandacht. Deshalb verlagerte sie, passend zum Thema, den zweiten Teil ihrer Andacht kurzerhand nach draussen auf eine Hünenberger Schafweide. «Es war ein Versuch, und ich finde, er hat ganz gut funktioniert.» Das fanden auch jene, die sich die Videoandacht ansahen und eine Rückmeldung gaben. Überhaupt habe sie von ganz verschiedenen Seiten positive Reaktionen bekommen. «Es scheint schon ein Bedürfnis dafür zu geben », findet die Pfarrerin. Dies bestätigen die Internetstatistiken für die sechs Andachten, die bisher aufgeschaltet wurden: Sie alle wurden erfreulich oft angesehen. «Vielleicht haben wir mit diesen Video-Andachten ja etwas ins Leben gerufen, das man in der einen oder anderen Form weiterführen kann, wenn sich die Lage wieder normalisiert hat», resümiert Aline Kellenberger. «Einfach, weil die Menschen Freude daran haben und es ihnen gut tut.»

Text: Kirche Z 5/2020 (angepasst 15.05.2020)

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