Zehn Jahre Caritas-Markt Baar

Ende Februar feiert der Caritas-Markt in Baar sein zehnjähriges Bestehen. Das Jubiläum zeigt: Auch im reichen Kanton Zug gibt es viele Menschen, die auf günstige Einkaufsmöglichkeiten angewiesen sind. Vor zehn Jahren, am 28. Januar 2011, öffnete der Caritas-Markt in Baar seine Türen. Er war damals der 20. Markt in der Schweiz, der Einkaufsmöglichkeiten zu vergünstigten Preisen bietet. Allerdings ist das über 1000 Artikel des täglichen Bedarfs umfassende Sortiment der Caritas-Märkte nicht für Schnäppchenjäger gedacht. Einkaufen darf dort nur, wer an der oder unterhalb der Armutsgrenze lebt und dies durch Vorweisen der KulturLegi an der Kasse bestätigen kann: Personen mit Einkommen am und unter dem Existenzminimum, Sozialhilfeempfänger, Personen mit Ergänzungsleistungen von AHV oder IV und viele mehr. Die Zahl der Kundinnen und Kunden steigt – auch im reichen Kanton Zug.

Einkäufe optimieren
Ein Caritas-Markt an einer Premiumlage wie dem Bahnhof Baar ist ein Statement. Aber hemmt die prominente Lage die Kundinnen und Kunden nicht, den Supermarkt zu besuchen? «Diese Hemmschwelle stellten wir ganz am Anfang in der Tat fest», sagt Daniel von Holzen, Leiter Läden und Märkte sowie berufliche Integration von Caritas Luzern. Die Zurückhaltung legte sich aber schnell. «Der Caritas-Markt ist dazu gedacht, dass die Kundinnen und Kunden mit dem zur Verfügung stehenden Geld ihre Einkäufe optimieren können», erklärt Daniel von Holzen. Die Nähe zu Supermärkten wie Migros, Coop und Denner sei deshalb von Vorteil, um Preise direkt vergleichen zu können. Denn obwohl die Produkte im Caritas-Markt im Durchschnitt günstiger sind als anderswo, gilt: Ruft ein grosser Detailhändler eine Aktion aus, kann auch der Caritas-Markt die Preise für die entsprechenden Produkte nicht mehr unterbieten. Aber es geht bei den Caritas-Märkten auch nicht darum, dass die Menschen exklusiv dort einkaufen sollen, sondern dass sie aus allen vorhandenen Einkaufsquellen das meiste aus ihrem Budget herausholen können.

Breite Unterstützung
Ein Geschäft wie der Caritas-Markt kann nur dank der Unterstützung von Partnern aus dem Detailhandel, von Organisationen und Freiwilligen funktionieren. «Wir versuchen, jeden Markt in dieser Hinsicht so breit wie möglich aufzustellen», sagt Daniel von Holzen. In Baar übernahm gleich zu Anfang eine Stiftung einen gewichtigen Teil der Finanzierung. Von Anfang an in der Trägerschaft dabei waren auch die Katholischen Kirchgemeinden Baar und Steinhausen sowie die Reformierte Kirche Kanton Zug. 2020 sprach die Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ) eine mehrjährige Unterstützungszusage für den Caritas-Markt Baar. Auch Privatpersonen und Firmen wie die Alfred Müller AG gehören zu den grosszügigen Spendern. Das Warenangebot stammt aus Überbeständen, schadhaften, aber laut Lebensmittelgesetz verkaufbaren Chargen, aus Fehllieferungen oder Liquidationen grosser Detailhändler. Dadurch ändert sich das Warenangebot in den Märkten stetig. «Wir möchten aber sicherstellen, dass in den Märkten immer ein komplettes Angebot von Grundnahrungsmitteln vorhanden ist», so Daniel von Holzen. «Dieses stellen wir dank Lieferantenverträgen mit Sonderkonditionen sicher.» Heisst aber auch: Einige Artikel wie Kochsalz dürfen nur in haushaltsüblichen Mengen gekauft werden, damit möglichst alle Kundinnen und Kunden davon profitieren können. Sonderkonditionen bieten den Caritas-Märkten auch Dienstleister wie das Transportunternehmen Galliker.

Freiwillige und Lernende
Der Caritas-Markt in Baar beschäftigt nur eine festangestellte Mitarbeiterin, das restliche Personal besteht aus 20 bis 25 Freiwilligen. «Ohne deren Engagement könnten wir die Märkte schlicht nicht betreiben», so von Holzen. «Zudem versuchen wir immer, jungen Menschen eine Chance zu geben, die Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden.» In Baar können deshalb Jugendliche eine Attestlehre als Detailhandelsassistent EBA absolvieren, während der sie vier Tage pro Woche im Markt arbeiten und an einem Tag die Berufsschule besuchen.

Jubiläumsaktionen
Mittlerweile hat sich der Caritas-Markt im Kanton Zug etabliert. Die Kundschaft stammt nicht mehr nur aus Baar, sondern auch aus Steinhausen, Rotkreuz oder Unterägeri. Selbst Armutsbetroffene aus den Kantonen Aargau und Zürich nehmen den Weg auf sich. Zum Jubiläum am 26. Februar 2021 wird es gemäss von Holzen Aktionen für die Kundschaft geben, und alle Freiwilligen und Unterstützenden werden zu einer kleinen Feier eingeladen – sofern es die Situation zulässt.

Text: Kirche Z 1/2021, Erik Brühlmann

 

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