Letzte-Hilfe-Kurs


Ein Kurs über die Sterbebegleitung
Die Covid-19-Pandemie führt uns fast täglich vor Augen, wie nah Leben und Tod beieinander liegen. Nun werden im Kanton Zug Letzte-Hilfe-Kurse durchgeführt, die Menschen helfen sollen, dem Thema Sterben nicht gänzlich unvorbereitet zu begegnen. In der modernen Gesellschaft will man von Sterben und Tod nichts wissen. Diese oft getätigte Aussage möchte Andreas Maurer nicht vorbehaltlos unterschreiben. «Das Thema ist natürlich nicht sonderlich beliebt», sagt der Zuger Regionalpfarrer, der auch für das Thema Palliative Care zuständig ist. «Aber meiner Erfahrung nach wollen die Menschen durchaus etwas darüber wissen, wie sie Menschen beim Sterben begleiten können.» Denn genau wie das Leben sei auch das Sterben kompliziert geworden. «Die Menschen fühlen sich oft überfordert mit dem, was man alles muss, soll und kann.» Hier bietet der Letzte-Hilfe-Kurs Hand und eine erste Orientierungsmöglichkeit mit Grundlagenwissen und praktischen Anleitungen.

Sonderfall Schweiz
Die Letzte-Hilfe-Kurse entstanden 2008 aufgrund einer Idee des deutschen Palliativmediziners Georg Bollig. Er beschrieb sie im Rahmen seiner Master-Thesis und präsentierte sie auf verschiedenen Veranstaltungen und Kongressen. Die ersten Letzte-Hilfe-Kurse wurden schliesslich 2014 in Norwegen angeboten, seit 2015 gibt es sie auch in Deutschland und Dänemark. Seither erlebt das niederschwellige Angebot einen regelrechten Boom – seit 2017 auch in der Schweiz, wo die Reformierte Zürcher Landeskirche als Lizenznehmerin für das Projekt Letzte Hilfe auftritt. «Meines Wissens ist die Schweiz bisher das einzige Land, in dem sich die Kirchen als Anbieter hervortun», sagt Andreas Maurer. «Und das ist, wie ich finde, sehr sinnvoll. So verrichtet die Kirche auf einem ihrer Spezialgebiete einen Dienst an der Gesellschaft.» Andernorts seien es meist Einrichtungen und Organisationen aus dem medizinischen Bereich, welche die Kurse durchführen. Andreas Maurer selbst wurde während seiner Zeit in Graubünden zum ersten Mal auf die Kurse aufmerksam. «Damals wurde ein Pilotkurs angeboten, sodass ich Aufbau und Organisation verfolgen konnte.»

Konkretes Wissen
Die Letzte-Hilfe-Kurse werden jeweils von zwei Fachpersonen geleitet. Eine kommt aus dem medizinisch-pflegerischen, die andere aus dem seelsorgerischen Bereich. Ein Kurs dauert sechs Stunden und ist kostenlos. Inhaltlich gliedert er sich in vier Themenschwerpunkte: Sterben als Teil des Lebens, Vorsorgen und Entscheiden, Leiden lindern und Abschied nehmen. «Wir werden verschiedene Themen auch ganz konkret behandeln», sagt Andreas Maurer. «zum Beispiel sollen die Teilnehmenden verstehen, was der oft benutzte Begriff Palliative Care überhaupt bedeutet und was er alles umfasst.» Auch Aspekte wie Schmerzlinderung durch Medikamente, oder pflegerische Möglichkeiten werden angesprochen. «Gerüche, Geschmäcke, Berührungen und die blosse Anwesenheit – all das sind Dinge, die sterbenden Menschen gut tun können», weiss der Pfarrer. Auch Patientenverfügungen und Bestattungen sind Kursinhalte. «Natürlich ist es nicht möglich, in ein paar Stunden alles vertieft zu diskutieren», sagt Andreas Maurer. «Aber nach dem Kurs haben die Teilnehmenden zumindest erste Einblicke in die wichtigen Themen erhalten.»

Ein Kurs für alle
Dieses Jahr sollen die Letzte-Hilfe-Kurse auch in Zug stattfinden, wenn es die Pandemiesituation erlaubt. Ursprünglich waren mindestens drei Kurse geplant. Doch deren Durchführung ist abhängig von der Situation und den geltenden Einschränkungen. Der erste Kurs ist zurzeit für den 29. Mai angesetzt. Unter www.palliativ-zug.ch und auf den Websites der beiden Landeskirchen ist der jeweils aktuellste Stand ersichtlich – und dort sind auch die Anmeldekontakte zu finden. Koordiniert werden die Kurse federführend von Rita Fasler vom Verein Palliativ Zug, in Kooperation mit Regionalpfarrer Andreas Maurer von der Reformierten und Spitalseelsorger Roland Wermuth von der Katholischen Kirche Kanton Zug. «Wir wollen mit den Kursen Laien ansprechen», sagt Andreas Maurer, «unabhängig von Alter, Konfession oder Religionszugehörigkeit.» Neben der Wissensvermittlung durch die Experten sollen die Letzte-Hilfe-Kurse auch eine Gelegenheit zum Austausch sein. «Viele Teilnehmende machen gerade Erfahrungen mit Sterbebegleitung oder haben solche bereits gemacht», sagt der Pfarrer. «Mit anderen darüber zu reden, kann beim Aufarbeiten helfen.» Erste-Hilfe­Kurse haben sich längst selbstverständlich etabliert. Vielleicht wird das bei den Letzte-Hilfe-Kursen dereinst auch der Fall sein – damit das Sterben als Teil des Lebens wieder mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft rückt.
 

Letzte Hilfe Kurs

Samstag, 29. Mai 2021, 10:00 Uhr

Kontakt und Anmeldung
Verein Palliativ Zug
Rita Fasler
Daniela Bussmann
Tel. +41 (0) 79 450 60 86
daniela.bussmann(at)palliativ-zug.ch

Anmeldungen bis 22. Mai 2021
Die Zahl der Teilnehmenden ist beschränkt. Es wird die Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen berücksichtigt. Eine Bestätigung der Anmeldung erfolgt.

Weitere Informationen
Flyer «Letzte Hilfe Kurs»
Eintrag im Veranstaltungskalender
 
  

Tags: Erwachsenenbildung , Kurs , Palliativ Zug , Lebensthemen
nach oben