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«Ein Bett für Obdachlose» ist gesichert

Der junge Baarer Verein «Ein Bett für Obdachlose» hat seinen Fortbestand und seine Arbeit gesichert. Die Reformierte Kirche Kanton Zug ist als bestens vernetztes Mitglied in den Verein eingetreten.

In der April-Ausgabe dieses Jahrs berichteten wir über ein Thema, das es offiziell gar nicht gibt: Obdachlosigkeit. Der pensionierte Baarer Apotheker Bernhard Tobler gründete zusammen mit zwei Mitstreitenden den Verein Ein Bett für Obdachlose Baar (EBfO), um sich des Themas anzunehmen – mit Erfolg, aber auch mit viel Anstrengung. Sein Wunsch war es damals, das angestossene Projekt an eine gut vernetzte Organisation im Sozialbereich zu übergeben. Einerseits sollte es so personenunabhängig auch in Zukunft funktionieren können; andererseits bestünde so die Hoffnung, dem Thema auf politischer Ebene mehr Gewicht zu verleihen. Bernhard Toblers Wunsch ging in Erfüllung: Die Reformierte Kirche Kanton Zug und das Drogen Forum Zug traten als Mitglieder in den Verein ein; Kirchenschreiber Klaus Hengstler bekleidet seither im Ehrenamt die Position des Präsidenten. «Für mich ist dies die Ideallösung », sagt Bernhard Tobler, der weiterhin als Aktuar involviert bleibt. «Zudem ist dies ein Zeichen, dass es mit dem Verein und unserem Anliegen vorwärts geht.» Denn Bernhard Tobler ist nach wie vor überzeugt, dass Obdachlosigkeit ein Thema für die öffentliche Hand und nicht für einen privaten Verein sein sollte.

Hoffen auf weitere Kirchenunterstützung
«Für uns als Reformierte Kirche Kanton Zug war schnell klar, dass wir uns in der einen oder anderen Form für den Verein engagieren möchten», sagt Klaus Hengstler. Schliesslich sei Obdachlosigkeit ein Thema, das auch die Kirchen etwas angeht. Es zeigte sich, dass eine Mitgliedschaft als juristische Person am sinnvollsten ist. Für eine solche Mitgliedschaft hofft man auch die Katholischen Kirchgemeinden Baar und Zug begeistern zu können. Hengstler: «Beide haben den Verein in der Vergangenheit schon finanziell unterstützt, und die Vernetzung im Kanton wäre auf diese Weise noch breiter abgestützt.» Auch die finanzielle Situation wäre dann stabil.

Kleines, aber aktives Team
Noch immer backt der Verein EBfO kleine Brötchen, auch wenn sie schon etwas grösser geworden sind. «Wir können seit kurzem zwei Wohnungen in Baar anbieten, die mit insgesamt fünf Personen bereits voll ausgelastet sind», so Hengstler. Die Arbeit mit den Obdachlosen fällt nach wie vor in die Verantwortung von Gassenarbeiterin Sandra Heine, mit Unterstützung des Drogen Forums Zug. Eine Dame, die früher selbst auf der Strasse gelebt hat, übernimmt die Reinigungsarbeiten. Ein Glücksfall, wie der Kirchenschreiber sagt. Sie sei eine resolute Frau, die durch ihre Vergangenheit unter den Bewohnern auch ein gewisses Standing hat. «So kann sie die Bewohner wenn nötig auch einmal zurechtweisen und ihnen die Grenzen des Erlaubten aufzeigen.» Sollen dereinst auch Pfarrpersonen auf seelsorgerischer Ebene in die Arbeit mit den Obdachlosen involviert werden ? Klaus Hengstler verneint. «Die Aktivitäten des Vereins laufen unabhängig von jenen der Reformierten Kirche», erklärt er. «Wenn das Thema jedoch durch unser Engagement stärker ins Blickfeld der Pfarrpersonen rücken sollte, würde uns das natürlich freuen.»

Obdachlosigkeit aufs politische Tapet bringen
Die Mitgliedschaft des Drogen Forums Zug könnte sich mit Blick auf künftige Pläne ebenfalls als Glücksgriff erweisen. Hengstler: «ALG-Kantonsrat Andreas Hürlimann ist neu Präsident des Drogen Forums Zug. Es besteht daher die Hoffnung, dass dem Thema Obdachlosigkeit nun auch auf politischer Ebene mehr Beachtung geschenkt wird.» Schon bald soll das diesbezügliche Vorgehen diskutiert werden. Eine Ausweitung der Aktivitäten auf andere Zuger Gemeinden, wie sie Bernhard Tobler einmal angedacht hatte, gestaltet sich nämlich vor allem aus politischen Gründen nach wie vor schwierig. Dennoch kann der noch junge Verein bereits Erfolge verbuchen. «Zwei ehemals obdachlose Personen sind freiwillig aus der Wohnung in Baar ausgezogen, weil sie in einer regulären WG einen Platz gefunden haben und jetzt sogar einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen», sagt Bernhard Tobler. Er verschweigt jedoch nicht, dass auch zwei Personen der Ausstieg nicht gelungen sei und sie wieder auf der Strasse lebten. «Das wird immer wieder vorkommen », so Tobler, «ein solches Scheitern unserer Bemühungen werden wir auch in Zukunft akzeptieren müssen.»

Text: Kirche Z 12/2019, Erik Brühlmann

 

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