Hünenberg

Der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit

Ein Virus hält die ganze Welt in Atem. Mehrere Länder haben den Notstand ausgerufen - auch die Schweiz befindet sich in einer Krisensituation. Grenzen werden gesperrt, Züge, Flüge und Veranstaltungen gestrichen. Man sieht nichts, hört nichts, riecht nichts und doch ist dieser Virus seit Wochen unser täglicher Begleiter. Unsicherheit, Furcht, Angst und Sorge machen sich breit. Auch bei mir. Die gesundheitlichen Risiken sind noch unklar, und auch die wirtschafltichen Auswirkugngen sind nicht abzuschätzen. Und dennoch will ich nicht, dass die Angst mich und uns alle beherrscht. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sie kann bewirken, dass ich anderen misstraue. Angst macht egoistisch. Sie kann unser Zusammenleben gefährden. Aber wie kann man in der Flut dieser Gefühle die andere, wichtige Stimme laut werden lassen? Die Stimme, die aufklärt, die sachlich informiert? Wie kann in dem Grundrauschen von Unsicherheit, Angst und Sorge das gehört werden, was wirklich hilft? Paulus schreibt im zweiten Timotheusbrief:

"Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit".

Der Apostel beschreibt die Besonnenheit, die Nüchternheit als eine wichtige Gabe, die Gott uns gegeben hat. Ich bin dankbar dafür, wie nüchtern, sachlich und verantwortungsvoll Politiker und Wissenschaftler in dieser unsicheren Zeit aufzuklären versuchen und agieren. Und ich versuche selbst, mich täglich in Besonnenheit zu üben. Zudem vertraue ich auf das, was Gott darüber hinaus gibt. Nämlich Kraft und die Liebe utntereinander. Beides kann ich auch in diesen Tagen in meiner Umgebung beobachten. So werden Veranstaltungen gemieden, soziale Kontake vorübergehend eingeschränkt und auf Körperkontakt wie Hände schütteln und Umarmungen verzichtet, um eine zu schnelle Ausbreitung des Virus hinauszuzögern. Gleichzeitig rufen Gemeinden dazu auf, jeden Abend um 20.00 Uhr bei sich zu Hause eine Kerze aufzustellen und ein Gebet zu sprechen, als Zeichen der gesellschaftlichen Verbundenheit. Solidarität spannt sich wie ein grosser Schirm über uns Menschen. Paradoxerweise zeigt sie sich diesmal in genau umgekehrter Weise wie gewohnt, nämlich in Distanz statt in Nähe. Und doch hilft es mir gegen die Angst, wenn ich spüre, welche Kraft in dieser Art von Anteilnahme und Mitgefühl steckt. Es stimmt: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!

Pfarrerin Claudia Mehl, Spitalseelsorgerin im PZ Baar

Bild: Zugerberg von Claudia Mehl

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