Es ist vier Uhr morgens. Nicola Brügger singt Wiegenlieder. Zuhörerinnen liegen
behaglich auf Liegestühlen in der Reformierten Kirche Zug. Draussen erwacht langsam der neue Tag. Der Gesang der Vögel verbindet sich mit dem klaren Gesang in der Kirche. Eine halbe Stunde später ertönt eine Laudes, das klösterliche Morgenlob. Ob die Menschen in der Kirche den neuen Tag wecken oder der neue Tag die Menschen in der Kirche weckt, ist nicht mehr eindeutig auszumachen. Einige der nun Geweckten haben von abends neun Uhr bis morgens sieben Uhr im Halbstundentakt verschiedenste Musiker gehört. Andere
schauten um Mitternacht in die Kirche, um sich vom Dracula-Film «Nosferatu» mit live Orgelimprovisation in eher gruselige Sphären entrücken zu lassen. «Ich bin bis zum Film geblieben und am frühen Morgen vor der Arbeit nochmals gekommen», erzählt eine Besucherin, «und hoffe, dass es bald wieder so eine tolle Nacht gibt.»
Text Andreas Haas