Kirche Z

Kirchenkicker

Der Frère Roger Cup hat Tradition: Einmal im Jahr treffen sich die Kirchenmitarbeitenden zum Plauschkick.

Kicken mit Kollegen

Fussball verbindet – diese Tatsache nutzt und betont der Frère Roger Cup in Steinhausen seit fast einem Jahrzehnt. Frère Roger ist der wohl bekannteste Prior der Bruderschaft von Taizé. Ob er ein begeisterter Fussballer war, ist nicht bekannt. Sehr wohl war er jedenfalls bis zu seinem gewaltsamen Tod 2005 ein begeisterter Vertreter der Ökumene. Und in dieser Eigenschaft steht er seit fast einem Jahrzehnt als Namensgeber des alljährlichen Frère Roger Cups (FRC), einem «Grümpelturnier» für kirchliche Mitarbeitende und Freiwillige im Kanton Zug.

Von der EM zum Cup
Die Anfänge des FRC liegen im Jahr 2008, als die Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich ausgetragen wurde. Damals war Didier Sperling Pfarrer in Baar. «Er war ein riesiger Fussballfan und stellte während den grossen Turnieren bei sich zu Hause jeweils kleine Fan-Meilen auf die Beine», sagt Marc Dür. Der künftige Steinhausener BKP-Präsident ist im OK des kirchlichen Fussballturniers und erklärt die Absicht hinter dem Turnier: «Hauptsächlich ging es den Initianten darum, dass kirchliche Mitarbeitende einander auch einmal ausserhalb des Arbeitsumfelds begegnen.» Man lerne sich so auf einer ganz anderen Ebene kennen – kirchenübergreifendes Team Building, wie man es neudeutsch nennen würde. Denn mitmachen dürfen neben Mitarbeitenden und Freiwilligen der beiden Landeskirchen auch jene der Freikirchen.

Fairplay par excellence
Der FRC sei keineswegs nur etwas für die Jungen. «Wir hatten schon eine Ordensschwester dabei, Ministranten, BKP-Mitglieder, Freiwillige und viele mehr», sagt Marc Dür. Sogar Kirchenratspräsident Rolf Berweger habe schon die Schuhe geschnürt – und auch gleich seinen Sohn als schlagkräftige Verstärkung mitgebracht. Kirchenrat Marc Nagel wiederum habe sich lange als Schiedsrichter betätigt. Geht es denn so heftig zu und her auf dem grünen Kunstrasen? «Blutgrätschen verkneifen wir uns natürlich», sagt Marc Dür lachend. Fouls passieren meist nur ob mangelnder fussballerischer Fähigkeiten. «An eine rote Karte kann ich mich gar nicht erinnern, gelbe Karten gibt es vielleicht ab und zu für Handspiele oder Goaliebehinderungen. Wir sind halt doch alle Kirchenmitarbeitende – und deshalb vielleicht von vornherein ein wenig sozialer und fairer eingestellt als der durchschnittliche Fussballer!»

Von Baar nach Steinhausen
Sechs Jahre lang kickten die Hobby- Fussballer und -Fussballerinnen – etwa 10 Prozent der Teilnehmenden sind weiblich – in Baar. Dann erfolgte der Umzug nach Steinhausen. «Einerseits verliess Didier Sperling sein Pfarramt, andererseits war beim damaligen OK generell die Luft ein wenig draussen», begründet Hobby-Goalie Marc Dür den Umzug. Er wollte den Cup jedoch nicht sterben lassen, und so holte er den Steinhausener Pfarrer Hubertus Kuhns und dessen katholischen Seelsorge-Kollegen Andreas Wissmiller mit ins fussballerische Boot. «Wir lancierten das Turnier neu – mit grossem Erfolg», freut sich Marc Dür. Die Organisatoren sind auch offen für spezielle Aktionen. Im vergangenen Jahr fand der FRC zum Beispiel am Weltflüchtlingstag statt. Grund genug, Flüchtlinge aus dem ganzen Kanton zur Teilnahme einzuladen! 100 Teilnehmende habe man am Ende verzeichnet und damit fast schon die Grenzen des Machbaren gesprengt – normal seien 50 bis 60.

Das Fest danach
Genauso wichtig wie der sportliche Kick – bei dem es für die Sieger übrigens einen Wanderpokal aus dem Brockenhaus gibt – ist das anschliessende Fest am Abend nach dem Turnier. Das Essen wird organisiert und ist für die Teilnehmenden gratis. Wer möchte, darf aber auch gern etwas mitbringen. «Der gesellige Teil gehört einfach dazu», sagt Marc Dür. «Alle sind ausgepumpt, aber glücklich. Und so ergeben sich tolle Gespräche, für die man im Alltag viel zu wenig Zeit hat.» Und wer ist dieses Jahr der Titelverteidiger? Marc Dür: «Die Gemeinschaft der Seligpreisungen aus Zug! Sie hatten letztes Jahr einen Flüchtling im Team, der in seinem Messi-Trikot alles in Grund und Boden spielte.» Nomen ist manchmal eben doch Omen.

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