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Wechsel an der Parlamentsspitze

Am 18. Dezember 2017 wählten die Mitglieder des Grossen Kirchgemeinderats (GKGR) der Reformierten Kirche Kanton Zug eine neue Führung. Überraschungen blieben aus: Der bisherige Vizepräsident Max Gisler löst den bisherigen Präsidenten Hanspeter Brändli an der Spitze ab.

Die konstituierende Sitzung des Grossen Kirchgemeinderats (GKGR) der Reformierten Kirche Kanton Zug verlief so, wie man es im Vorfeld erwarten konnte: Der bisherige Präsident, Hanspeter Brändli, legte sein Amt nieder und stellte sich nach vier Jahre im Amt nicht mehr für eine weitere Legislaturperiode zur Verfügung. Sein Nachfolger ist der bisherige Vizepräsident Max Gisler. Neue Vizepräsidentin ist Sophie Borter Binder, Vorsitzende der Offen evangelischen Fraktion Baar/Neuheim. Beide wurden von den anwesenden Ratsmitgliedern in ihre neuen Ämter gewählt.

Zürich-Basel-Zug
«Dass der Vizepräsident in ein offenes Präsidentenamt nachrückt, ist eigentlich der normale Vorgang – im Kantonsrat wie auch im GKGR», sagt der in Winterthur geborene Neu-Präsident. Der 69-Jährige studierte Rechtswissenschaften in Basel. Danach führte ihn sein Weg in den Kanton Zug, genauer gesagt nach Cham. «Bauen und Raumplanung haben mich schon immer interessiert», so Max Gisler, «und so kam es mir sehr gelegen, dass eine Stelle bei der Baudirektion Kanton Zug frei wurde.» Heute leben Max Gisler und seine Frau in Steinhausen, wo auch die beiden Töchter aufgewachsen sind. Beruflich arbeitete der Jurist während dreier Jahrzehnte für insgesamt sechs Baudirektoren – zunächst als juristischer Mitarbeiter, dann als Generalsekretär. «Daneben war ich zwanzig Jahre lang Gemeinderat in Steinhausen, zuständig für Finanzen und Volkswirtschaft», so Gisler. Diese politische Tätigkeit fand er äusserst bereichernd: «Ich kann jedem nur empfehlen, sich für ein solches Amt zu bewerben. Es gibt einem einerseits tiefe Einblicke in den politischen Betrieb einer Gemeinde, andererseits knüpft man viele Kontakte, die jahre- und jahrzehntelang halten.»

Von der Politik ins Kirchenparlament
Untätigkeit ist Max Gislers Sache nicht, und so trat er nach seiner Pensionierung nicht in den sogenannten Ruhestand. «Am Tag nach meiner Pensionierung eröffnete ich mein jetziges Anwaltsbüro», sagt der Neu-Präsident. Sein Interesse an der Kirche war zu diesem Zeitpunkt schon längst geweckt; sonntägliche Gottesdienste sind ihm lieb. Max Gisler: «Ich war lange Zeit in der Betriebskommission des Zentrums Chilematt in Steinhausen. Betriebswart David Paravicini hatte mir oft vom Parlament erzählt, und als die Steinhausener Fraktion vor vier Jahren eine Vakanz meldete, entschloss ich mich, die Lücke zu füllen» – nicht ahnend, dass er stante pede gleich ins Vizepräsidium gewählt würde, auch wenn dies aufgrund Max Gislers politischer Erfahrung sicherlich nicht abwegig war.

Eine lebendige Kirche!
Die Parlamentsmitgliedschaft eröffnete Max Gisler einen neuen Blick auf die Reformierte Kirche Kanton Zug: «Ich durfte feststellen, dass unsere Kirche ein sehr     lebendiger Organismus ist, und dies ganz unabhängig von den sonntäglichen Predigten. Wie viele Menschen auf die eine oder andere Weise in unserer Kirche mitwirken, realisiert man erst, wenn man sich genauer mit ihr beschäftigt.» Deshalb hoffe er auch auf einen ebenso lebendigen Parlamentsbetrieb in den kommenden zwei Jahren. «Wünschenswert fände ich zudem, dass man unser Kirchenparlament auch in der Öffentlichkeit stärker wahrnimmt », sagt Max Gisler mit Blick auf die mediale Berichterstattung. Denn die Kirche, so der GKGR-Präsident in seiner Antrittsrede, sei «keine Kirche von Fall zu Fall. Sie ist da und steht uns permanent zur Verfügung. Wir spüren, dass die Kirche lebt.» Es gelte aber, Vertrauen in die Kirche zu schaffen und zu erhalten, damit sich bei den Menschen Treue einstellen könne. Denn: «So lang es Menschen gibt, die treu zum Glauben in Gemeinschaft stehen, so lang steht auch unsere Kirche.»

Text: KircheZ 02/2018 Erik Brühlmann

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