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Ort des Trosts

Die Reformierte Kirche Zug und der FRW Interkultureller Dialog haben gemeinsam einen Ort des Trosts eingerichtet: Dieser soll vor allem Flüchtlingen einen Zufluchtsort bieten, an dem sie trauern können. Er ermöglicht aber auch Begegnungen.

Seit einer Mahnwache im September 2017 steht neben den Sitzbänken vor der reformierten Kirche Zug eine auffällige Holzkonstruktion. Sie sieht ein wenig aus wie ein Kreuz, an dem zwei Fahnen hängen. Die Stoffe sind von Hand bemalt, mit einem grossen Herz sowie den Worten «We are with you». Zudem sind bei etwas genauerem Hinsehen Symbole aller Weltreligionen zu erkennen. Die Konstruktion stellt kein Kreuz dar, sondern einen Schiffsmast mit zwei Segeln, und sie soll Angehörigen aller Religionen einen Zufluchtsort bieten. «Der Ort des Trosts bietet Geflüchteten die Möglichkeit, ihrer eigenen Trauer einen Ort zu geben», sagt Pfarrer Andreas Haas der CityKircheZug. «Die Geflüchteten können nicht einfach auf den Friedhof gehen, um ihren Angehörigen zu gedenken, die zum Beispiel im Mittelmeer ertrunken sind. Für manche Menschen ist es aber hilfreich und kraftvoll, einen Ort zu haben, den sie in der Trauer um einen lieben Menschen aufsuchen können.» Die CityKircheZug verwirklichte das Projekt gemeinsam mit dem FRW Interkultureller Dialog.

Die Schockstarre überwinden
«Wir haben nur positive Rückmeldungen zum Ort des Trosts erhalten», sagt Eva Wimmer vom Verein FRW Interkultureller Dialog. FRW steht für «Friede, Respekt, Würde». Laut Eva Wimmer, Kommunikationsverantwortliche und Mitgründerin, setzt sich die 2012 gegründete Aktionsgruppe auf vielfältige Weise für ein gelungenes Zusammenleben von Einheimischen und Zugezogenen ein. Die freiwilligen Helfer und Helferinnen organisieren und betreuen diverse Projekte, die das Miteinander und die Integration von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Lebenswelten fördern. Heute bieten rund 120 Freiwillige ein umfangreiches Bildungs- und Freizeitangebot für alle im Kanton Zug lebenden Menschen. Am wichtigsten sei die Begegnung, sagt Eva Wimmer: «Man muss mit den Menschen sprechen und mit ihnen Zeit verbringen, um zu verstehen, was sie brauchen.» Während ihres Engagements habe sie gelernt, dass Geflüchtete sich oft in einer Art Schockstarre befänden. «Wir wollen ihnen Möglichkeiten geben, wieder aktiv ans Leben anzuknüpfen und den für sie allgegenwärtigen Tod zu verarbeiten.» Dazu gehöre unbedingt auch ein Ort, an dem die Flüchtlinge trauern könnten. «Wir laden alle ein – Flüchtlinge und Einheimische –, am Ort des Trosts zu verweilen, vielleicht eine Kerze anzuzünden und miteinander ins Gespräch zu kommen», sagt Pfarrer Andreas Haas.

Gemeinsam Segel setzen
Entstanden ist die Idee für einen Ort des Trosts im Zuge des letztjährigen Kunstprojekts «Ship of Tolerance» von Ilya und Emilia Kabakov. Die Künstler wollen mit ihren Aktionen Menschen mit verschiedener Herkunft, Kulturen und Ideen verbinden. Das «Ship of Tolerance» wurde in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zug lanciert. Der Verein FRW arbeitet seit jeher eng mit allen Kirchen und Religionsgemeinschaften in Zug zu- sammen. Als er mit der CityKircheZug und der Asylbrücke Zug das diesjährige Projekt «Sich finden – Klänge, Bilder, Begegnungen » auf die Beine stellte, liefen gleichzeitig die Vorbereitungen für eine Mahnwache beim «Ship of Tolerance». «Wir dachten an die unzähligen Flüchtlinge, die auf ihrem Weg nach Europa sterben, und die trauernden Angehörigen unter uns, denen wir einen permanenten Ort des Trosts schaffen wollten», sagt Eva Wimmer. «Inspiriert vom ‹Ship of Tolerance› entschieden wir uns für einen Mast mit Segeln.» Ein Flüchtling entwarf die Segel. Be- vor der Ort des Trosts seinen Platz vor der CityKirche fand, war das Segel auf dem Landgemeindeplatz aufgespannt, wo es aber nicht bleiben konnte. «Der Ort des Trosts hat nun einen idealen Platz gefunden», sagt Andreas Haas. Er steht für den Trost, der in der Begegnung mit anderen Menschen, anderen Religionen und seinen eigenen Gefühlen gefunden werden kann.

Kantonales Sozialamt begrüsst Engagements
Jris Bischof, Leiterin des Kantonalen Sozialamts Zug, ist überzeugt, dass die Kirchen bezüglich Integrationsfragen viel bewegen können: «Viele Flüchtlinge sind dankbar, wenn sie durch die Kirche ihr soziales Netz erweitern können. Es gibt unzählige Wege, wie die Integration der Flüchtlinge in unserer Gesellschaft gelingen kann: über Sport, Musik, Kunst oder eben via Kirchen und Glaubensgemeinschaften, die sich im Kanton Zug auf vielfältige Weise engagieren.»

Text: Nena Morf, Kirche Z 10/2017

 

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