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Entspannte Flüchtlingssituation

Das Bundesasylzentrum Gubel hat seinen Zweck erfüllt. Ende April wurde es planmässig geschlossen. Flüchtlinge gibt es im Kanton Zug jedoch immer noch. Wie können sie künftig von den Kirchen erreicht werden?

Am 20. April verliess der letzte Asylsuchende das Bundesasylzentrum Gubel bei Menzingen. Drei Jahre nach der Eröffnung und nach vielen positiven Erfahrungen wurde das Zentrum geschlossen – denn die Flüchtlingssituation hat sich merklich beruhigt. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) verzeichnete 2017 18’088 Asylgesuche, rund ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der Bund weist dem Kanton Zug 1,4 % aller Asylsuchenden zu, die in der Schweiz ein Asylgesuch stellen. Per Ende 2017 waren im Kanton insgesamt 1213 Personen in unterschiedlichen Bearbeitungsphasen ihrer Fälle gemeldet.

Freiwillige unterstützen
Beide Landeskirchen beschäftigten im Bundesasylzentrum Gubel Seelsorgende, die den meist nur für wenige Wochen anwesenden Flüchtlingen mit Rat, Tat und einem offenen Ohr zur Seite standen. Mit der Schliessung des Zentrums entfällt diese Möglichkeit der Erstkontaktaufnahme. Denn in der Durchgangsstation in Steinhausen, wo neu ankommende Flüchtlinge derzeit maximal 12 Monate lang untergebracht werden, ist keine permanente kirchliche Seelsorgestelle vorhanden – und auch nicht geplant, wie Bernhard Lenfers sagt. Der Gemeindeleiter von St. Johannes in Zug engagiert sich stark in der Flüchtings-integration, unter anderem als Vorstand der Asylbrücke Zug. «Die katholischen Pfarreien und reformierten Bezirke können aber immer noch Beiträge leisten, indem sie zum Beispiel Organisationen, die sich um die Integration von Flüchtlingen kümmern, Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.» Bei Veranstaltungen in den Räumen der Kirchgemeinden oder Pfarreien ist es möglich, die Flüchtlinge direkt anzusprechen. Aus Datenschutzgründen können Pfarrpersonen die Flüchtlinge aber nicht mehr direkt erreichen, wenn diese die Durchgangsstationen verlassen und bis zum Asylentscheid in dezentralen Unterkünften des Kantons untergebracht sind.

Aufgabe für die ganze Gemeinde
Für Gemeindeleiter Lenfers ist Seelsorge im klassischen Sinn jedoch auch nicht das Hauptbedürfnis von Flüchtlingen. «Dass Flüchtlinge aus eigenem Antrieb in der Kirche zu den Pfarrpersonen gehen, kommt nur höchst selten vor», sagt er. Vielmehr müsse es darum gehen, sie in die neue Umgebung einzuführen und ihnen den Zugang in die Gesellschaft zu ermöglichen. «Und dies ist nicht nur Aufgabe der Theologen, sondern der gesamten Gemeinde», sagt Bernd Lenfers. Die Kirchen könnten diese meist freiwilligen Engagements allerdings nach Kräften fördern und damit auch ohne direkte Seelsorgeaufträge einen Beitrag zur Flüchtlingsintegration leisten. So entstünden auch immer wieder Kontakte. «Aber eher im Sinn des Religionsphilosophen Martin Buber: Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.»

Begegnungsmöglichkeiten
Natürlich werden alle Flüchtlinge vom Sozialamt des Kantons betreut. Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel sind jedoch begrenzt. Hier setzen Freiwilligenorganisationen wie FRW Interkultureller Dialog an. Für das Dilemma der Seelsorge- Profis der Kirchen hat Koordinationsstellenleiterin Sabine Holland zwar Verständnis, sagt aber auch: «Wir bie- ten viele Integrationsprojekte an, die in kirchlichen Räumen stattfinden. Hier besteht immer die Möglichkeit für Pfarrpersonen und Diakone, mit Flüchtlingen in Kontakt zu kommen.»

Angebote in allen Bezirken
Der FRW legt neben den für Asylsuchende essentiell wichtigen Deutschkursen – «unser Kernprojekt», wie Sabine Holland sagt – grossen Wert auf Begegnungsarbeit. Die sogenannten Begegnungsessen beispielsweise finden in fast allen Pfarreien und Kirchenbezirken regelmässig statt. «Da kocht einmal im Monat ein Flüchtlingsteam mit Freiwilligen vom FRW», sagt Sabine Holland. Diese Mittagessen sind für alle offen und sehr beliebt. «Hier entstehen Kontakte unter den Flüchtlingen, aber auch mit der einheimischen Bevölkerung. Und die Flücht- linge bekommen die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen.» Verschiedene Sport- und weitere Angebote ergänzen das Programm des FRW. In Sachen Flüchtlingsintegration wird also viel getan im Kanton Zug. Dennoch würde sich Sabine Holland ein stärkeres Miteinander, vor allem mit den Behörden, wünschen. «Der Kanton hat zwar theoretisch für jeden Asylsuchenden einen Sozialarbeiter », sagt sie, «aber der ist zumeist derart mit administrativen Aufgaben beschäftigt, dass er nicht dazu kommt, Sozialarbeit zu verrichten.»

 

Text: KircheZ 05/2018 Erik Brühlmann

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